Während meiner Primarlehrerjahre zwischen 1974 und 1991 war ich immer wieder auf Ausschau nach geeigneten Liedern. Mehrmals stach mir der Titel «Ach Eselein, liebes Eselein» ins Auge. Ein Weihnachtslied, dachte ich mir, sicher eine hübsche kleine Hymne auf den Esel im Betlehem-Stall.
Während Jahren überflog ich immer wieder schmunzelnd und in froher Erwartung diese Eselein-Zeile. Irgendwann im Advent entschied ich mich, das Lied einzustudieren. Allerdings konnte ich es unter den Weihnachtsliedern nirgends finden. Schliesslich checkte ich das alfabetische Stichwortregister und fand es endlich.
Warum aber wurde das Eselein nicht an Weihnachten besungen? Ich schlug die Seite auf: Keine Weihnachten, kein Eselein, nicht mal ein Ochs’, von Maria, Josef und dem Jesuskind ganz zu schweigen. Dafür schmachtende Liebeslyrik. Das kam mir dann doch etwas spanisch vor.
Ich rieb mir die Augen. Da stand: «Ach Elslein, liebes Elslein».
Liebes Elslein, über Jahre habe ich Dich für ein Langohr gehalten. Hiermit entschuldige ich mich in aller Form.