Mit Heavy Metal bin ich schnöselig. Ausser Black Sabbath kommt mir kein Schwermetaller in die Boxe. Alles, was nachher folgte, empfinde ich als zu standardisiert: Riffs ab Schablone, Comme-il-faut-Falsettgesang, eingeübte Heroismusposen und pflichtschuldigst gebangte Heads.
Black Sabbath – wer sonst? Bei der Vorstellung der 13. LP erfahre ich, dass Gitarrist Tony Iommi an Leukämie erkrankt ist. Trotzdem kämpft er sich auf die Bühne zurück und lässt mit gewohnter Präzision sein Instrument donnern wie ein ausser Rand und Band geratenes Symphonieorchester.
Doch was sehe ich da? Tonys Finger an der Griffhand sind mit Kunststoffkuppen überstülpt. Bei diesem Anblick hebt mein Hirn ab. Armer Tony, der Blutkrebs frisst dich von den Gliedern her auf und plastifiziert dich nach und nach.
Ich sehe Tony im Spitalbett, betreut von einer Ärztin mit wasserblauen britischen Augen: «Mister Iommi, ihre Krankheit erfordert einen Fingerkuppenwechsel.»
Der Tod von Black-Sabbath-Sänger Ozzy Osbourne bringt Klärung. Ich schau mir die Doku dazu an und erfahre, dass Tony als 17-Jähriger bei einem Arbeitsunfall die für Gitarrengriffe entscheidenden Fingerkuppen verloren hatte.
Seit seinem Karrierestart also trägt Tony seine little helpers und stimmt die Gitarre drei Halbtöne tiefer, damit die Saiten sich mit weniger Druck greifen lassen. Das soll auch der Grund sein, wieso sein Gitarrenspiel so volltönend ist.
Aber vielleicht ist das schon wieder der Auftakt zur nächsten Irrgeschichte.