«Die Wandtafel ist tot», so ein Schlagwort Anfang 20. Jahrhundert. Man glaubte, der soeben erfundene Vervielfältigungsapparat würde das Quietschen der Kreiden endgültig zum Verstummen bringen.
Generationen von Schulkindern beugten sich über die vervielfältigten Blätter mit den blassblauen Linien und sogen andächtig den unwiderstehlichen Duft des für den Druck notwendigen Industriealkohols ins beschwingte Hirn. Ein willkommener Kurztrip im Schulalltag.
Inzwischen ist die einst so stolz angekündigte Innovation mit viel Glück noch in den hintersten Ecken von Brockenhäusern zu finden, während die gute alte Wandtafel immer noch ein ordentliches Dasein fristet, wenn auch meist technisch aufgepeppt.
Mit der Erfindung der Fotografie wurde die Malerei zu Grabe getragen. Kaum beflackerten erste TVs die gute Stube, wurde das Radio mental eingesargt. Und als die Jugend Nintendos zu bekneten begann, vergandeten vor unserem inneren Auge alle Sportplätze dieser Welt.
Bald hat auch die Zeitung ausgeraschelt. Als Fluchtmöglichkeit vor Hausarbeit und anderen Widrigkeiten dient nicht mehr das Leibblatt als Deckung, sondern der fokussierte Blick aufs Mobilgerät. Ein echter Vorteil in der Menschheitsgeschichte und darum unumkehrbar.
Viele Trends sterben und auferstehen später zombiemässig. Wer hätte gedacht, dass die scharf gestutzten 70er-Jahre-Bünzlibärtchen der solideste Beleg für Traumschwiegersöhne des 21. Jahrhunderts sind? Oder dass die Dächlikappe der einstigen Opel-Kadett-Fahrer die Schädeldecken der Rapper wärmt, wenn auch um 180 Grad gedreht?
Untergänge können sich lohnen. Das weiss auch die Tech-Industrie. Mit schöner Regelmässigkeit lässt sie Bestehendes alt aussehen und überschwemmt uns mit Neuheiten. Aufregend? Eher selten. Meist folgen einige mickrige Pseudo-Mehrwertchen, verbunden mit viel Kompatibilitätsstress.
Zum Glück können wir unser Bier immer noch aus dem Glas trinken. Die intravenöse Variante hat sich noch nicht durchgesetzt.