Andy Leumann – Drummer

Die Drumsticks sind für ihn wie die Luft zum Atmen: Andy Leumann. Bild: Thomas Widmer

Regional hat sich Andy Leumann als Musiklehrer und international als Schlagzeuger einen Namen gemacht. Bereits ab 1978 wirkte er als einer der ersten Schlagzeuglehrer der Region. Seit den 80er-Jahren gilt er als einer der vielseitigsten und gefragtesten Drummer weit über die Landesgrenzen hinaus. Davon zeugen über 50 CDs, bei deren Entstehung er mitgewirkt hat.

Schon als Knirps lag Andy der Rhythmus im Blut

Andy Leumann, 1953 in Staad geboren, besuchte das Lehrerseminar in Rorschach und wirkte anschliessend während fünf Jahren als Unterstufenlehrer in Gossau. «Schon während meiner Semizeit war ich richtig angefressen vom Schlagzeugspiel», erzählt er. Die Grundlagen brachte er sich selbst bei. Erste öffentliche Auftritte absolvierte er mit der von ihm mitgegründeten Classic-Rock-Band Waterproof.

Früh übt sich …

In der Seminar-Jazzband unter der Leitung von Professor Christian Rohrer erweiterte er seinen musikalischen Horizont und entschied sich nach abgeschlossener Primarlehrerausbildung für ein Schlagzeugstudium an der Jazzschule Bern. «Auf dem Anmeldebogen musste ich eine Band angeben, in der ich mitwirkte – und im Moment war ich buchstäblich ‹solo›.» Da gründete Leumann kurzerhand ein Jazz-Trio mit Orgel, Bass und Drums.

Andy Leumann mit der Band Waterproof

Eine weitere Herausforderung war oft die Suche nach geeigneten Proberäumen. «Irgendwann musste ich meine Drums im Schulzimmer aufstellen», erinnert sich Leumann. Davon profitierten auch die Kinder: Während der Singstunde bekam jedes einen Schläger in die Hand und durfte das Schlagzeug auf seine Art bearbeiten. Das Feedback der Mittelstufenlehrkräfte liess nicht lange auf sich warten: «Man merkt, welche Kinder bei Andy in der Schule waren; die haben den Rhythmus einfach im Blut!»

Drums sind seine Leidenschaft

Nach seiner Zeit in Gossau wirkte Leumann als Schlagzeuglehrer an den Musikschulen Goldach und Rorschach-Rorschacherberg. Während fast 40 Jahren unterrichtete er Woche für Woche bis zu 70 Schülerinnen und Schüler. Sein Motto: «Freude wecken, Freude beibehalten, Erfolgserlebnisse schaffen.» Seinem Unterricht entwuchsen nicht nur begeisterte Amateure, sondern auch Cracks wie Orlando Ribar, Wolfgang Wahl, Reto Kuster, Ernesto Andreoli, Tiziano Grimm und Moritz Wetter – um nur einige zu nennen.

Andy Leumann mit dem Bassisten Rolf Aberer

Während des Studiums wurde der Jazzdrummer Billie Brooks Leumanns grosses Vorbild. «Sein Auftritt im Ekkehard in St.Gallen hat mich derart begeistert, dass der Jazz nebst dem Rock meine zweite musikalische Heimat wurde.» Ebenso inspirierte ihn sein Mentor an der Jazzschule, der Vorarlberger Bassist Rolf Aberer, der in ihm eine weitere Leidenschaft für Fusion Music weckte und mit dem er später über Jahre hinweg in verschiedenen Formationen auftrat; besonders unvergesslich sind die Gigs der Jazzrockformation Good Morning mit der Vorarlberger Sängerin Gerty Sedlmayr, mit der er auch 1979 am Open Air St.Gallen auftrat.

Andy Leumann (3. v.l.) mit Suspended Four

Weitere Auftritte am OASG folgten 1984 mit der von Frank Zappa beeinflussten Infrasteff, 1985 und 1992 mit Tschako und Kapelle (Neue Deutsche Welle). Als gefragter Live- und Studio-Drummer überzeugte er mit seiner kraftvollen, präzisen Spielweise auch bei Auftritten mit der Swingband The Hotlines und der Dixieformation The Riverhouse Jazzband. Speziell war die «Telefon-Band» Swiss Old Time Session. Für jeden Auftritt wurden aus einem Fundus von zwei Bandleadern und 150 Musikern eine Formation «zusammentelefoniert».

Andy Leumann am Open Air St.Gallen, 1984, mit der Band Infrasteff

Unvergesslich bleiben Leumann die Auftritte mit dem australischen Pianisten Peter Waters: «Er ist einer der genialsten Musiker, die ich kenne – aber auch ganz schön exzentrisch.» So verliess Waters einmal während des Intros zum ersten Stück die Bühne, flatternd und Pfauenschreie ausstossend. «Wir spielten weiter, improvisierten mit ernsten Gesichtern, als hätte alles seine Richtigkeit, innerlich kochten wir aber vor Nervosität: ‹Where the fuck is Peter?› Irgendwann ‹flatterte› er zurück; er hatte seine Noten in der Garderobe vergessen.»

2010 formierte Leumann die Bluesband Bluedogs under, mit der er heute noch unterwegs ist. Während der Coronazeit gründete der mit seiner Formation Off & Out bekannt gewordene, inzwischen leider verstorbene Pianist Urs C. Eigenmann die Soulband Passona, die in einem grossen Saal im Appenzellerland jammte und Livestreams produzierte. Nach der Pandemie trat die Band auch live auf, und das tut sie bis heute, immer noch in Erinnerung an ihren Gründer, aber neu mit dem Pianisten Gregor Lehner, der seinem Vorgänger alle Ehre macht.

Andy Leumanns Engagements würden ein dickes Buch füllen. Nur noch so viel: Gemeinsam mit verschiedenen Formationen tourte er unter anderem durch Ägypten, Belgien, Deutschland, Frankreich, Norwegen, Saudi-Arabien und Tunesien. Mit seinen 72 Jahren ist er immer noch fit – und immer wieder zu hören. Die Reise geht also weiter.

15.04.2025 / Thomas Widmer. Eine Version dieses Textes erschien auch im Tagblatt: