Er feuerte und traf. Der metallische Klang beim Aufprall der Kugel machte ihn misstrauisch. Trug der Hirsch eine Rüstung, war er mit einem Piercing, einem Herzschrittmacher oder einem Sulzer-Hüftgelenk versehen? Man gewöhnt sich ja langsam daran, dass der Tierschutz immer neue Blüten treibt. Vermenschlichung der Tiere und so.
Atemlos näherte er sich seiner kapitalen Trophäe. Da stockte sein Verstand, und der ganze Jagerstolz rutschte ihm in die Hose: Er hatte einen ausgedienten Rasenmäher erwischt, der in einer stillen Waldwiese vor sich hingammelte; der geschwungene Griff einem Geweih nicht unähnlich.
Ob die Geschichte wahr ist? Auf jeden Fall stand sie vor einiger Zeit in der Zeitung mit den grossen Buchstaben. Am besten halten wir uns an das italienische Sprichwort: «Se non è vero è ben trovato.» (Wenn es nicht wahr ist, ist es gut erfunden).
Die erwähnte Zeitung reicherte die Geschichte mit einer hämischen Chronologie weiterer waidmännischer Missgeschicke an: Jagdkollegen, die ihren Kompagnon erlegten, weil sie ihn im Dämmerlicht des Waldes für ein Wildschwein hielten. Oder eine Touristin, die sich diskret im Gebüsch erleichtern wollte und mit einer Schrotladung bedacht wurde. Nicht aus Bosheit, sondern wegen Fehlsichtigkeit des Absenders. Bieten Jäger ein willkommenes Revier für Optiker?
Schadenfreudiges Schenkelklopfen ist aber fehl am Platz. Sind wir nicht alle auf der Jagd? Wir zwängen uns zwar nicht mehr in kratzbürstige Loden und kreislaufstauende Knickebocker. Und wir erbeuten das Wild höchstens vakuumverpackt im Regal. Das Einkaufszentrum als Jagdgebiet, wo pädagogisch geschulte Marketingcracks den Wildwechsel simulieren: Vertrautes verlagert sich fortlaufend in neue Regale. Das stählt den Jagdinstinkt, schärft den Orientierungssinn und lässt uns unterwegs Trophäen zusammenraffen, die gar nicht auf dem Zädeli standen.
Also: nicht lachen, wenn eine verrostete Stewi-Libelle im Forst für ein weidendes Reh gehalten wird.